17. Bahnhof Hollerich

17. Bahnhof Hollerich

17. Bahnhof Hollerich

Der Güterbahnhof Hollerich liegt im Südwesten der Stadt und wurde 1900 anlässlich der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Luxemburg-Petingen durch die „Prince Henri Gesellschaft“ erbaut.

Nach dem Generalstreik von 1942 wurde dieser Bahnhof, der im Gegensatz zum Hauptbahnhof ziemlich abseits gelegen ist und sich deshalb gut eignete für Aktionen, die nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt waren, zum „Verladepunkt“ zahlreicher Familien, die von den Nationalsozialisten als „deutschfeindlich“ eingestuft worden waren, um sie an die Ostgrenze des „Reiches“ zwangsumzusiedeln. Vom 17. September 1942 bis zum 31. August 1944 wurden insgesamt 4.187 Personen bzw. 1.138 Familien im Hollericher Bahnhof in Transportzüge eingepfercht und nach Schlesien verschleppt, nachdem die Besatzer zuvor ihren gesamten Besitz beschlagnahmt hatten. 72 Menschen sollten den qualvollen Transport in den überfüllten Zügen nicht überleben.

Auch etwa 700 luxemburgische Juden wurden von Hollerich aus in die Vernichtungslager transportiert.

1996 ist der mittlerweile stillgelegte Bahnhof zur Gedenkstätte für alle Opfer der Deportation geworden. Im Erdgeschoss befindet sich ein Museum mit einer umfangreichen Ausstellung und dem „Centre de Documentation et de Recherche de l’enrôlement de force” zum Thema Zwangsrekrutierung und -umsiedlung.

Auf dem ehemaligen Bahnsteig erinnern 2 Gedenktafeln und ein Monument an die zahlreichen Opfer, wobei zahlenmäßig vor allem die Zwangsumgesiedelten ins Gewicht fallen.

Interessantes Detail
Insgesamt wurden etwa 11.200 Luxemburger in der Wehrmacht und im Reichsarbeitsdienst zwangsverpflichtet. Über 2.700 kehrten nicht zurück. Auch 3.600 luxemburgische Mädchen und Frauen wurden für den Reichsarbeitsdienst zwangsverpflichtet, von denen 60 ihr Leben wegen der unmenschlichen Lebensbedingungen verloren.

Bedeutung für die Menschenrechte
Der Bahnhof Hollerich ist genau wie viele andere Gedenkstätten ein wichtiges Symbol der Erinnerung an ein menschenverachtendes, totalitäres Regime, in dem der einzelne mit seinen elementaren Grundrechten keine Bedeutung hatte und rücksichtslos für die Durchführung einer Ideologie geopfert wurde. Dieser Ort soll als Mahnmal für die kommenden Generationen dienen, die sich dank des Museums, das in dem alten Bahnhofsgebäude eingerichtet worden ist, über die Zwangspolitik der Nationalsozialisten in Luxemburg informieren können.

Artikel 3
Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 9
Niemand darf willkürlich festgenommen oder des Landes verwiesen werden.

Artikel 17
Niemand darf willkürlich seines Eigentums beraubt werden.

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