
13. Villa Louvigny
13. Villa Louvigny
Das Bollwerk, das heute im städtischen Park liegt, wurde 1672 erbaut als Teil der Festungsanlage. Benannt wurde es nach dem spanischen General und Festungskommandanten Louvigny.
Nach der Neutralitätserklärung Luxemburgs im Jahr 1867 wurde auch dieses Bollwerk wie viele andere militärischen Anlagen geschleift und die noch vorhandenen Gebäudereste öffentlich versteigert. Zuerst wurde die Anlage von der luxemburgischen Schützengesellschaft als Vereinshaus genutzt, später dann als Gaststätte, die rasch zu einem beliebten Veranstaltungsort für Konzerte, Theateraufführungen, Vorträge und Ausstellungen wurde. Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung „Villa Louvigny“.
1931 mietete der erste europäische Privatsender, die „Compagnie luxembourgeoise de Radiodiffusion“, das Gebäude und richtete dort seine Aufnahmestudios und Senderäume ein.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Villa von der Wehrmacht besetzt, die den Sender in die Reichs-Rundfunk GmbH eingliederte und für Propagandazwecke nutzte.
Als im September 1944 die deutschen Truppen abzogen, versuchten sie, sämtliche Installationen zu zerstören, damit die Alliierten sie nicht nutzen konnten, jedoch setzten die amerikanischen Techniker die Anlagen rasch wieder instand und der Sender wurde nun für die Nachrichtenausstrahlung der BBC und des „Office of War Information“ genutzt, die durch gezielte Fehlinformationen versuchten, die deutschen Hörer und vor allem die Wehrmacht zu demoralisieren.
Im November 1945 übernahm die luxemburgische Rundfunkgesellschaft wieder den Sender und startete erneut mit der Ausstrahlung der nationalen Programme. die sich einer rasch wachsenden Zuhörerschaft erfreuten.
Nach der Entscheidung, auch Fernsehsendungen zu produzieren, wurde die Gesellschaft 1955 in Radio-Télé-Luxembourg, kurz RTL, umbenannt. Bis zum Umzug auf den Kirchberg war die Villa Louvigny Sitz der RTL Group, die heute 54 TV-Sender und 27 Radiostationen umfasst und Europas führender Unterhaltungskonzern ist.
Der Staat erwarb 1998 die Villa zwecks Unterbringung des Gesundheitsministeriums, das bis Juli 2022 seine Verwaltungsbüros in der Villa Louvigny hatte.
Interessantes Detail
Nach der Übernahme des Senders durch die Alliierten wurden nicht nur gezielte Falschmeldungen verbreitet, um die Deutschen zu demoralisieren, sondern auch die sogenannten „Flüsterwitze“ von einer fiktiven Person namens Tom Jones erzählt, die das Nazi-Regime anprangern sollten. Hier einige Beispiele:
„In den guten alten Tagen kam es vor, dass man am Bahnhof ankam und der Zug weg war. Heute geht man zum Zug und der Bahnhof ist weg.“
„Warum trat Großvater dem Volkssturm bei? fragt der eine. Weil sich sonst niemand um ihn kümmert, da Omi bei der Luftwaffe ist.“
Bedeutung für die Menschenrechte
Fast 50 Jahre lang war die Villa Louvigny der Ort, wo Musik und Nachrichten in viele Länder Europas gesendet wurden. RTL diente nicht nur der Unterhaltung der Menschen, sondern bemühte sich auch um möglichst unabhängige Informationen zu den Geschehnissen auf nationaler und internationaler Ebene. Die Beiträge, die aus der Villa Louvigny gesendet wurden, trugen zur Stärkung der Meinungsfreiheit und zur Förderung der Menschenrechte bei.
Artikel 19
Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit.
Artikel 26
Jeder hat das Recht auf Bildung.
Artikel 27
Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen.